Ein Mann hält Taschentücher in der Hand und telefoniert.

Hoher Krankenstand Expertenrat empfiehlt Teil-Krankschreibung

Stand: 27.02.2025 17:10 Uhr

Der Krankenstand in Deutschland ist nach wie vor hoch. Der Expertenrat der Bundesregierung empfiehlt deshalb mehr Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. In bestimmten Fällen sollte auch eine "teilweise Krankschreibung" möglich sein.

Beschäftigte in Deutschland sollten künftig Teil-Krankschreibungen nutzen können. Das schlägt der Expertenrat für Gesundheitsfragen vor, der im Bundeskanzleramt angesiedelt ist. Diese Möglichkeit solle geschaffen werden, wenn ein Teil der Arbeitsfähigkeit erhalten sei, sagte Ratsmitglied Wolfgang Hoffmann.

Damit wäre es möglich, "während einer Krankschreibung den beruflichen Aufgaben im gesundheitlich möglichen Umfang weiterhin nachzukommen", heißt es in der Stellungnahme des Expertenrats "Gesundheit und Resilienz". Etwa mit mobilem Arbeiten oder mit reduzierter Stundenzahl. Anlässe wären etwa eine "temporäre Einschränkungen der Mobilität oder Infektiosität".

"Eine weitere denkbare Maßnahme wäre auch, dass ein Urlaubsanspruch über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus nur während der tatsächlich geleisteten Arbeitstage erworben werden kann", so Hoffmann. Diese Regelung könnte helfen, "den Anteil von Teil-Krankschreibungen zu erhöhen und die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken, aktiv an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren".

Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung

Der Expertenrat empfiehlt außerdem, die betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention zu stärken. Dazu gehörten auch ausreichende tatsächliche Erholungszeiten ohne Erreichbarkeit sowie betriebliche Impfprogramme: "Der positive Einfluss, den gezielte Maßnahmen der Arbeitgeber auf den Krankenstand haben können, ist in vielen Untersuchungen belegt". 

Konkret könnten Anreize zu gesundheitsbewusstem Verhalten verstärkt werden, etwa mit Dienstfahrrädern, Kantinenangeboten oder Unterstützung externer Sportangebote. Darüber hinaus empfiehlt der Rat die Stärkung und den Ausbau der Behandlungsmöglichkeiten für psychische Erkrankungen.

Telefonische Krankschreibung soll bleiben

Das Gremium rät zu einer Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung, da diese nicht die Ursache für den hohen Krankenstand sei. Der in den deutschen Daten sichtbare deutliche Anstieg der Zeiten von Arbeitsunfähigkeit (AU) von 2021 auf 2022 beruhe primär auf einer besseren Datenerfassung durch die elektronische Erfassung der AU.

Zudem führe die telefonischen Krankschreibung sehr wahrscheinlich zu einer Entlastung der Arztpraxen. Als mögliche Ursachen der weiterhin hohen Krankenzahlen nennen die Experten mehr Atemwegsinfekte seit der Corona-Pandemie und den zunehmenden Altersdurchschnitt der arbeitenden Bevölkerung.

Krankheitsausfälle bei der Arbeit waren nach Angaben großer Krankenkassen im vergangenen Jahr erstmals wieder leicht zurückgegangen. Im Schnitt waren Erwerbstätige 19,1 Tage krankgeschrieben, wie die Techniker Krankenkasse (TK) nach eigenen Versichertendaten mitteilte. Im Jahr zuvor war ein Rekordwert von 19,4 Tagen ermittelt worden. Bei der DAK-Gesundheit zeigte sich ein Rückgang von durchschnittlich 20 auf 19,7 Fehltage.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2024 um 11:14 Uhr.