
Berlin Einsprüche und Anmerkungen: Anhörung zum Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke beginnt
Die Rudolf-Wissell-Brücke gehört zu den meistbefahrenen Autobahnabschnitten Deutschlands. Seit Jahren wird ein dringend notwendiger Neubau geplant. Ab Montag sollen bei einer Anhörung in Berlin-Moabit Fragen und Probleme erörtert werden.
Nicht nur die Brücken am Autobahndreieck Funkturm müssen erneuert werden, auch die Rudolf-Wissell-Brücke etwas weiter nördlich ist längst fällig. Diese Spannbetonbrücke der A100 gilt als eine der am meisten befahrenen Autobahnbrücken in ganz Deutschland und ist inzwischen 64 Jahre alt.
Gebaut wurde sie für einen Bruchteil des Verkehrs, der heutzutage täglich über sie rollt. Bevor die Planung für den Neubau auf die Zielgerade kann, hört sich das Fernstraßen-Bundesamt ab Montag Kritik von Anwohnern, Berliner Verkehrsverwaltung, Deutsche Bahn und einigen weiteren an. Insgesamt 520 Einwände sollen besprochen werden. Das Anhörungsverfahren findet in einem Hotel an der Ecke Stephanstraße und Birkenstraße (Moabit) statt [fba.bund.de].

Neubau rückt näher an Wohnhäuser heran
Die für den Autobahnbau zuständige Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, Deges, will die Rudolf-Wissell-Brücke komplett neu bauen. Zu kaputt sei die 1961 fertiggestellte Brücke, als dass sie saniert werden könne.
Die neue Brücke soll im Gegensatz zur alten aus zwei Teilen bestehen: eine Brücke für jede Fahrtrichtung. Das habe den Vorteil, dass der Verkehr auch während der Bauarbeiten in beiden Fahrtrichtungen fließen könne.
Aufgrund einer Lücke zwischen beiden Brücken würde so ein Neubau bis auf 22 Meter an umstehende Wohnhäuser in der Siemensstadt heranrücken. Bislang beträgt der Abstand 30 Meter. Durchsichtige Lärmschutzwände entlang der Brückenstränge sollen Anwohnerinnen und Anwohner schützen, so der Plan.

495271211
Deges will keinen "Flüsterasphalt" verbauen
Sogenannten "Flüsterasphalt" will die Deges hingegen nicht verwenden. Dieser entfalte seien Wirkung erst bei Geschwindigkeiten ab 80 Kilometern pro Stunde. So schnell werde auf der Brücke jedoch nicht gefahren werden dürfen, ist sich die Deges sicher. Zudem sei Flüsterasphalt zu teuer.
Einige Anwohner kritisieren, dass nicht über eine Tunnellösung nachgedacht wurde, dass der Lärmschutz für den Schlosspark Charlottenburg und die Sophie-Charlotten-Straße fehlt und kritisieren, die lange neue Ein- und Ausfädelspur in beiden Fahrtrichtungen, die für sie einer zusätzlichen Fahrspur gleichkommt.
Diese und weitere Einwände sollen in dieser Woche gehört wurden. Danach kann das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke auf die Zielgerade gehen. Wann mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, hängt allerdings davon ab, ob gegen den Planfeststellungsbeschluss Klagen eingereicht werden.

Termin für Fertigstellung ebenso unklar wie Kosten
Deges-Sprecher Michael Zarth bezeichnet das Jahr 2031 als Wunschziel für die fertige Brücke. Ob dies gelingen kann, hänge auch davon ab, wie lange es dauert, bis eine Baugenehmigung vorliegt. Ursprünglich sollte in diesem Jahr mit dem Neubau begonnen werden. Das werde nicht gelingen, sagt Zarth dem rbb.
Auch zu den Baukosten äußerte er sich zurückhaltend. Die genehmigten Kosten für die Rudolf-Wissell-Brücke wurden zuletzt auf 270 Millionen Euro geschätzt. Das ist allerdings der Stand von 2021. Diese Kostenschätzung werde spätestens nach Erteilung des Baurechts verifiziert, so der Deges-Sprecher.
Sendung: rbb24 Inforadio, 07.04.2025, 8 Uhr